Monthly Archives: March 2015

Ein Konto, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Bargeld – unumstritten das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland. Nach dem Motto “Nur Bares ist Wahres” nutzen wir es zum Bezahlen von Kleinstbeträgen bis hin zum Kauf eines Autos. Dies bestätigt auch die Studie “Zahlungsverhalten in Deutschland 2014” der Deutschen Bundesbank. So wickeln wir Geschäfte des täglichen Lebens zu 79 Prozent in bar ab. Nicht weil wir müssen, sondern vielmehr weil wir können. Die Entscheidung, eine alternative Zahlungsmöglichkeit wie EC-Karte oder Kreditkarte zu nutzen, ist abhängig von Person und Situation. Ich z. B. nutze Plastikgeld überwiegend beim Tanken, aber niemals in einem Restaurant. Mein Auto zahlte ich in bar, entscheide beim Einkaufen aber spontan, welches Zahlungsmittel ich nutze. Ein völlig individuelles Verhalten, das es mir erlaubt den Überblick über meine Finanzen zu behalten.

Während bei uns die “Wahlmöglichkeit” der Zahlungsmethode nicht reguliert ist, werden in anderen Ländern Gesetze verabschiedet, die das Bargeld langsam und kontinuierlich abschaffen. So wurde 2011  in Italien die Höchstgrenze für Bargeld-Transaktionen von 1.000 Euro eingeführt. Auch in Frankreich existiert eine Grenze von 3.000 Euro. Anders als in Italien wird in Frankreich zwischen ansässigen Steuerzahlern inklusive ausländischen Händlern, ausländischen Verbrauchern sowie Privatpersonen unterschieden. Unsere europäischen Freunde sind damit eher die Regel als die Ausnahme. Tatsächlich gibt es unterschiedlich ausgeprägte Reglementierungen in Tschechien, Slowakei, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Belgien, Spanien, Portugal und natürlich Frankreich und Italien. Ein Umstand, der vielen völlig entgangen ist oder vergessen wurde.

Nahezu unbemerkt blieb auch die Ankündigung des französischen Finanzministers Michel Sapin, die bestehende Grenze von 3.000 Euro auf 1.000 Euro zu senken. Kein Wunder – immerhin wurde diese Meldung von den Medien kaum weitergegeben. Die Begründungen für diesen Schritt sind die Bekämpfung von Terror, die Vermeidung von Geldwäsche, Steuerhinterziehung und allem anderen Übel dieser Welt. Eigentlich trifft uns das so genannte Bargeldverbot in Frankreich nicht sehr hart, denn für ausländische Verbraucher gilt zumindest bis September eine Grenze von 15.000 Euro, danach 10.000 Euro. Die Richtung, in die es geht, ist allerdings deutlich zu erkennen. Auch in Italien war der ursprüngliche Plan ein ganz anderer. Man wollte eigentlich eine Grenze von 300 Euro oder 500 Euro einführen. Das verwarf man allerdings, damit sich das Volk an die neuen Regeln gewöhnen konnte.

In Deutschland wäre ein partielles Bargeldverbot als Einstieg in die komplette Abschaffung des Bargeldes möglich. Noch dementiert die Bundesbank ein solches Vorhaben. Fraglich, ob es nicht irgendwann einfach notwendig wird. Das derzeitige Zinsniveau ist so niedrig wie noch nie. Die EZB senkte letztes Jahr den Einlagesatz auf minus 0,20 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz auf 0,05 Prozent. Der Einlagesatz beschreibt die Zinsen, die Geschäftsbanken im Euroraum zahlen, wenn sie Geld bei der EZB “parken”. Durch den negativen Zins müssen die Banken also Geld bezahlen, anstatt wie vorher Geld zu bekommen. Der Plan der EZB war, die Banken dazu zu bringen, das Geld in Form von Krediten an die Wirtschaft weiterzugeben und nicht zu bunkern. Als diese Meldung durch die Medien jagte, versicherte man noch, dass sich diese Entwicklung nicht zu den Bankkunden durchschlagen würde. Im Oktober 2014 führte jedoch eine kleine Thüringer Bank einen “Strafzins” auf das Tagesgeldkonto für vermögende Kunden ein und nannte die aktuelle EZB Politik als Grund. Bis zu diesem Zeitpunkt ist nicht bekannt, ob weitere Banken die “Strafzinsen” für private Anleger eingeführt haben. 

Laut einem Artikel vom September 2014 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschwerte sich Roland Pekla, Finanzchef von Hornbach: “Es gibt bereits Banken, die verlangen für Anlagen bis zu drei Monaten Strafzinsen”. Im November letzten Jahres kündigte die Commerzbank Strafzinsen für “einzelne große Firmenkunden mit hohem Guthaben” und “Großkonzernen und institutionelle Anleger” an. Banken versuchen mit einem solchen Verhalten den negativen Einlagesatz der EZB an ihre Kunden weiterzugeben. Bei gleichbleibendem Niveau oder gar einem weiterem Sinken der Zinsen ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich die “Zinsverluste” sich auch vom Kleinsparer holt.

Spanien ist diesbezüglich etwas fortschrittlicher. Mitte letzten Jahres wurde eine Zwangssteuer von 0,03 Prozent auf Bankguthaben eingeführt, und das sogar rückwirkend zum Jahresbeginn. Warum diese Entwicklung der Grundstein für ein Bargeldverbot sein könnte, wird klar, wenn man bedenkt, was passieren würde, wenn ein Negativzins auf Guthaben großflächig eingeführt werden soll. Sparer würden das Geld von den Banken abziehen um einem Strafzins zu entkommen. Da Banken nur einen Bruchteil der Einlagen in bar lagern und im Allgemeinen schon gar nicht soviel Papiergeld existiert, wären die Auswirkungen fatal. Während der Zypern-Krise konnte man die eindrucksvollen Mechanismen zur Vermeidung von Kapitalflucht und Geldabzug verfolgen. Die größten Banken Zyperns wurden geschlossen und die Abhebung am Automaten limitiert, um einen Banken-Run zu verhindern. Das Abziehen des Kapitals hätte den  ins Wanken geratenen Banken den Todesstoß versetzt. Aus der Situation kann man unter anderem zwei Dinge ableiten: 1. Ein Staat wird mit allen vorhandenen Mitteln versuchen, wichtige Banken vor dem Bankrott zu schützen 2. Der “fremde” Zugriff auf Sparguthaben ist keine Fiktion, sondern möglich. Auch bei uns!

Grundsätzlich ist es für einen Staat wesentlich schwerer, auf Bargeld zuzugreifen, das sich unter unserem Kopfkissen befindet. Deswegen kann es kaum im Interesse der Regierung liegen, wenn sich große Bargeldmengen in privaten Haushalten befinden. Sollte sich die Krise der Eurozone weiter verschärfen und es nötig werden, den Sparer in Regress zu nehmen, wäre ein Bargeldverbot nicht nur möglich, sondern gar obligatorisch.

Der Ex-US-Finanzminister Larry Summers und auch Keneth Rogoff, ein Professor der Havard Universität, werben schon seit geraumer Zeit für eine Abschaffung des Bargeldes. Ihrer Meinung nach könnte man so Bürger und Unternehmen davon abhalten, Geld zu horten und diese dazu bewegen, das Geld auszugeben. Rogoff drückte sich auf einer Veranstaltung im November 2014 des Ifo-Instituts in München  sogar noch klarer aus: “Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln”. Es gibt also durchaus Personen, die dem Ganzen positiv gegenüber stehen. Und die Regierung hat die Macht sowie auch Gründe für die Einführung eines totalen Bargeldverbotes. Selbst die Begründung zur Vermeidung von Steuerhinterziehung und der Schutz vor Terror sind durchaus nachvollziehbare Argumente. Eine Bargeldobergrenze wird man sicherlich schnell wegdiskutieren können, immerhin gibt es auch in Griechenland eine Grenze von 1.500 Euro und dennoch erhebliche Steuerhinterziehungen.

Aber was bedeutet ein Bargeldverbot für den Bürger? Im täglichen Leben werden sich die Auswirkungen dadurch bemerkbar machen, dass wir auf alternative Zahlungsmöglichkeiten zurückgreifen. Das ist etwas, was uns kaum einschränken wird. Vielleicht erscheint es uns sogar komfortabler, da der Weg zum Bankautomaten hinfällig wird. Der Teufel steckt im Detail! Ein Bargeldverbot zwingt uns in die totale Abhängigkeit zu einer Bank inklusive aller möglichen Folgen. Jede Transaktion wäre damit völlig transparent. Keine Anonymität oder Möglichkeiten, sich dem Überwachungsstaat zu entziehen. Und falls nötig hätten die Staaten die Möglichkeit, die völlige Kontrolle über die privaten Finanzen der Bürger zu übernehmen. Von Zwangsenteignung bis hin zur Konsumdiktatur ist dann tatsächlich, zumindest technisch gesehen, alles möglich. Sobald sich die Anzeichen mehren und sich ein Bargeldverbot ankündigt, müssen wir schreien und zwar laut, sehr laut.

Mir ist durchaus bewusst, dass weder die Politik noch die Banken diese Thematik momentan aufgreifen. Vielmehr reagieren Politiker eher beschwichtigend, wenn es um dieses oder ähnliche Themen geht. Wie sehr man sich auf Worte der Politik oder auf die niedergeschriebenen aktuellen Gesetze verlassen kann, erfahren wir jeden Tag. Unvorstellbare Szenarien werden plötzlich Realität und Grenzen, die vor einigen Jahren noch Tabu waren, werden als “alternativlos” deklariert und eingerissen. Herzlich Willkommen im Spiel der Politik und Banken, in dem der “Otto Normalbürger” immer nur verliert.

Mit Volldampf ins Fettnäpfchen

Vorstellungsgespräche, ein unvermeidlicher Termin, wenn man einen neuen Job ergattern möchte. Durch eine Aneinanderreihung von Zufällen durfte ich mich heute in ein schickes Spitzenkleid hüllen, um mich bei einem Unternehmen als C++ Oberflächenentwicklerin im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung vorzustellen. So richtig begeistert war ich von Anfang an nicht, aber da ich in einem Anflug geistiger Umnachtung der Arbeitnehmerüberlassung meines Vertrauens erlaubte das Profil raus zuschicken und die Einladung in weniger als 12 Stunden erfolgte, nahm ich den Termin wahr. Immerhin war es mal wieder eine nette Übung. Herkömmliche Bewerbungsgespräche hatte ich seit Jahren nicht und Projektgespräche mit Kunden sind in der Regel etwas anders.

Angekommen bei der Firma X in Nürnberg holte mich mein Gesprächspartner, der Fachbereichsleiter, am Eingang ab und führte mich in einen Besprechungsraum. Nach der ersten Sekunde war mir schon klar, dass wir niemals Freunde werden und ich mein sonniges Gemüt hinter purer Professionalität verstecken muss. Zu meiner großen Freude stieß noch ein junger Mann dazu, der wohl den Posten des Lead-Entwicklers inne hatte und eher meinem Naturell entsprach. Während ich mit ernster, interessierter Miene dem Fachbereichsleiter dabei zuhörte, wie er Luftschlösser baute und unablässig auf die Komplexität meiner eventuellen neuen Aufgabe hinwies, überlegte ich, ob mein Gegenüber das tatsächlich ernst meint. Jedem Entwickler, der ein wenig was von der Materie versteht, weiß, dass C++ (MFC) Oberflächenentwicklung kein Hexenwerk ist. Es ist weder interessant noch hoch komplex und schon gar nicht herausfordernd. Auch das eine Datenbank genutzt wird, lässt die meisten jetzt nicht vor Schreck davon rennen.

Nachdem er fertig war, wurde ich aufgefordert etwas über mich zu erzählen. Natürlich liegt es in einem Bewerbungsgespräch nahe nochmal das zu erzählen, was eh schon im Lebenslauf steht. Zu meiner Schande muss ich gestehen: ich habe die Hälfte meiner Arbeitgeber und Projekte vergessen. Ein Fauxpas, den man sich, meiner Meinung nach, nicht leisten sollte. Zumindest der zeitliche Ablauf und die Arbeitgeber/Kunden sollte man immer wissen. Meine Ausführungen waren jedoch so detailliert, dass es kaum Nachfragen gab und so schwadronierte der Fachbereichsleiter erneut über das Unternehmen. Ich lies ihn höflich gewähren bis es um die Übernahmechancen der Arbeitnehmerüberlassenen ging. Die “Stelle” war bis zum Ende diesen Jahres befristet und im Gespräch kristallisierte sich heraus, dass die Betreuung der “alten Software” noch länger von Nöten war. Mein Gegenüber erklärte, dass ANÜ Verträge maximal 2 Jahre dauern können und danach die Möglichkeit einer Übernahme besteht. Die Befristung zum Ende des Jahres dient lediglich der Eignungsprüfung. Bei dieser Steilvorlage konnte ich mir es natürlich nicht verkneifen nachzufragen, warum man die Leute dann nicht direkt einstellt, immerhin gibt es auch befristete Verträge für direkt Angestellte. Der junge Mann, der außer ein paar Detailinformationen zu dem Produkt, noch nicht viel beigetragen hatte, fing an zu grinsen. Ein schönes Szenario! Wir wussten natürlich alle, warum das so ist. Wie erwartet bekam ich keine richtige Antwort, denn der Fachbereichsleiter murmelte sich mit fadenscheinigen Argumenten aus der Situation. Erster Strike für cleo!

Und wieder wurde mir das angeblich herausfordernde Projektumfeld beschrieben, doch diesmal unterbrach ich meinen Gesprächspartner desöfteren und warf ein, dass es sich um stinknormale Softwareentwicklung handelt und sich alles nach einem normalen Softwareprojekt anhört. Der junge Mann pflichtete mir stets enthusiastisch bei, während sein Vorgesetzter stur seinen Stiefel durchzog und stets bemüht war das Projekt irgendwie attraktiv darzustellen. Der Fachbereichsleiter wirkte jetzt jedoch weit weniger “happy” als noch zu Beginn des Gesprächs. Zweiter Strike?!?
Die einzige fachliche Frage wurde mir von dem jungen Mann gestellt. Er wollte wissen, ob ich schon mal in einem agilen Team gearbeitet habe.. mit SCRUM und so. Anscheinend war es kein Problem, dass ich noch keine Erfahrungen in dem Bereich habe, immerhin wird es auch in dem Projekt um das es geht, nicht eingesetzt.

Als wir uns nichts mehr zu sagen hatten, teilte mir der Gesprächsführer mit, dass sie noch weitere Bewerber haben und spätestens nächste Woche Rückmeldung geben würden. Höflich antwortete ich, dass das vollkommen in Ordnung sei, denn ich müsse auch noch überlegen, ob der Job für mich interessant ist. Oh ha! Dritter Strike! Sichtlich erschüttert über diese Aussage, sagte mir der Fachbereichsleiter, dass sie natürlich davon ausgehen, dass jemand den Job will, vorallem wenn er sich vorstellt. Es sei unüblich, dass der Bewerber sich das noch überlegen muss. Da trafen eindeutig zwei Welten ungebremst aufeinander. Ich bin der Meinung, dass ein Bewerbungsgespräch auf Augenhöhe zwischen zwei Parteien stattfindet und dazu dient, dass alle Beteiligten prüfen, ob eine Zusammenarbeit vorstellbar wäre. Seine Vorstellungen sind wohl eher, dass ein Bewerber ein Bittsteller ist und eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Unternehmen das Beste ist, was jemandem in seinem Leben passieren kann. Er versuchte sein anfängliches Entsetzen etwas abzumildern indem er mir “erlaubte” darüber nachzudenken, ob der Job was für mich wäre und so verabschiedeten wir uns.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Zusammenarbeit nicht in Frage kommt außer sie haben wirklich keine andere Option, immerhin sind C++ Entwickler eine aussterbende Spezies. Ob ich die “Chance” nutzen würde, steht auch noch in den Sternen. Die Entscheidung die Freiberuflichkeit aufzugeben fiel unter der Voraussetzung, dass es ein Job sein muss, indem ich als Freiberufler kein Projekt kriege. So habe ich keine Chance bei Projektmanager-Projekten, da mir die Erfahrung fehlt und die Erfahrung kriege ich nicht, weil ich keine Projekte in dem Bereich bekomme. Oder natürlich es handelt sich um einen so genialen, abwechslungsreichen, herausfordernden Job, dass selbst ich völlig fasziniert vor der Aufgabe stehe.

Nachtrag: Heute, also einen Tag nach dem Gespräch, habe ich bescheid gegeben, dass ich an der Stelle endgültig nicht interessiert bin.