München – Unendliche Weiten

Samstag der 7.Februar, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Ein Umstand der meine Laune instant (engl. sofort) hob als mich mitten in der Nacht, genauer 8:30 Uhr, mein Wecker unsanft mit “Touch the Light” aus dem Schlaf riss. Müde trottete ich durch die Wohnung wohl wissend, dass in 3 Stunden meine Fahrt ins Ungewisse beginnt. 180 Minuten… eigentlich genug Zeit um eine Menge Dinge zu erledigen. Ich schaffte es gerade mal ein Seidla Kaffee zu genießen, n bisschen abzuspülen und wild irgendwelche Dinge in den Koffer zu schmeißen.
Die Erkenntnis, dass es ungeschickt ist im Winter irgendwohin zu fahren und dort ein paar Tage zu bleiben, traf mich als ich den Trolli hochhob. Soviel war da gar nicht drin, aber durch die Winterpullis, alle Socken die ich finden konnte u.v.m. platzte er fast aus allen Nähten.
Beladen wie ein Packesel schleppte ich mich, den Trolli, den Bogenrucksack, den Laptop, die Kamera und meine Handtasche zum Auto. Damit mein kleiner Flitzer auch gut in den Tag starten konnte fütterte ich es mit Benzin und fuhr auf die Autobahn in Richtung München.

In Windeseile nach München

Autobahnfahren… ich mag Autobahnfahren… CD rein, Mugge voll aufgedreht und ab geht die Parrrrteyyyy. Singend/gröhlend jagte ich also über die A3 und A9. Zu meinem Erstaunen verhielt sich mein Auto etwas merkwürdig. Es zog permanent nach Links.
Während ich also stetig dagegen hielt überlegte ich mir, was zu diesem Umstand führte. War es das Auto dass mal gerne mit der Leitplanke kuscheln wollte oder gab es noch andere Gründe. Nach reichlicher, kurzer Überlegung fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die Autobahnen müssen schief sein! Da ich allerdings nicht ganz sicher sein konnte reduzierte ich vorsichtshalber die Geschwindigkeit auf ca. 10km/h  um heil anzukommen. Der Zeitpunkt war auch exzellent gewählt, immerhin fuhren alle so schnell. Während ich also immer noch im Chor mit Nightwish & Co sang beobachtete ich, trotz des rasanten Tempos, die anderen Autofahrer. Irgendwie sahen die wenig amüsiert aus. Hatten wohl die falsche Musik dabei….

Mittags an der Raststätte

Die Minuten gingen ins Land und ich “wollte” unbedingt an einer Raststätte halten. Offensichtlich war ich nicht die Einzige mit dieser grandiosen Idee. Die erste Raststätte die ich ansteuerte, war, sagen wir mal, etwas überfüllt. Kein Parkplatz, kein Aussteigen.. Zwar war das Umdrehen und Warten bis etwas frei war eine technisch durchaus mögliche Option, aber ich glaube die Beamten die mit Argusaugen über das Geschehen wachten, hätten etwas dagegen gehabt. Für einen netten Plausch mit ihnen hatte ich ohnehin keine Zeit, also ging es mit ca. 20km/h im Eiltempo weiter Richtung München.

Nach einer guten halben Stunde erreichte ich auch schon die nächste Raststätte. Vom Auto aus sah ich offenbar das Resultat eines Puderzucker-LKW-Massen-Unfalls. Überall lag weißes Zeug rum und die Menschen zogen sich, zum Schutz vor der flockenartigen Substanz, die Jacken an. Da sich so viele Menschen nicht irren können (ich bild mir ja ein, das ist ein kirchliches Zitat als es um die Scheibe und die Kugel ging) tat ich dasselbe und lief Richtung Toiletten. Bevor ich überhaupt den Eingang erreichte bot sich mir ein Bild des Chaos. Menschen, viele Menschen, eindeutig zu viele Menschen drängelten sich vor der Tür um das gelobte Sanicare-Drehkreuz mit 70 Cent zu füttern. Schneller als erwartet konnte ich die heiligen Hallen betreten und kramte aus meiner Jackentasche die unfreiwillige Spende für die sich automatisch säubernden Toiletten raus.

Ein endlicher Raum, zwei Eingänge welche auch als Ausgang dienen… man muss kein Genie sein um zu wissen, dass das nicht funktionieren kann, wenn Massen in Richtung Eingang drängen und niemand raus gelassen wird.

Not macht bekanntlich erfinderisch. So zwangen sich einige Ex-Notdürftige unter dem Kindereingang durch um wieder die Freiheit zu erlangen. Eine “Klofrau” sah dem Spektakel ein wenig hilflos zu. Nach gefühlten 5 Minuten innigem Grübelns konnte ich fast schon eine Glühbirne über ihrem Haupt erleuchten sehen, als sie sich mutig dazu entschloss den Kindereingang einfach komplett zu öffnen. Somit war der Zugang und der Abgang (Abfluss?) geregelt. Ich hatte mal wieder das subjektive Gefühl, ich war die Einzige die diese Situation lustig fand, weil so schön absurd. Vielleicht hatten es die anderen aber auch einfach nötiger. Zumindest würde das das Beine zusammenkneifen und das Auf- und Ab-Gewippe erklären.

Back on the Road

Zurück auf der Autobahn kam ich in einen Stau nach dem anderen und konnte das Ergebnis mehrerer Unfälle begutachten. Offenbar ist es nicht nur so, dass so manch einer seine Fähigkeiten zum Führen eines KFZs verliert, wenn der erste Schnee liegt oder es regnet, sondern auch beim ersten schönen Tag im Jahr.

Ich, immer noch gut gelaunt, wechselte meine CDs wie manch eine Dame ihre Liebhaber, als ich erschrocken auf die Akkuanzeige meines Navis aka mein iPad sah.  Fatal! 60% und ich musste noch in Hochbrück bei der Bayrischen Meisterschaft fürs Bogenschießen ankommen um “einfach mal zuzuschauen” und danach noch weiter zum Hotel in München fahren. Mein Informatikerhirn fing natürlich sofort an zu eruieren, ob der Akku bei gleichbleibender Geschwindigkeit von 0km/h und der dazu in Relation stehenden Zeit bis zu meinem Endziel am Abend durchhalten würde. Die Antwort war ein klares: Vielleicht! Zu meiner Erleichterung ging es irgendwann wieder etwas schneller voran und ich hegte die leise Hoffnung nicht völlig orientierungslos in Bayern umher zu irren.

In 500 Metern bitte wenden

Mein Akku war auf 30% gesunken als ich nun endlich den Namen las den ich lesen wollte: Hochbrück. Hervorragend! Da wollte ich hin und zwar zur Olympischen Schießanlage. Frohen Mutes folgte ich also der Ausschilderung nach Hochbrück und passierte das lang ersehnte Ortsschild als mein Navi plötzlich eine neue Route berechnen wollte. Ich denke es war schon sehr erschöpft, denn auch als ich am Rand stehenblieb und ein wenig wartete, wollte es keine Route ausspucken. Aber hey, was tun wir Informatiker wenn etwas nicht funktioniert? Richtig! Applikation neu starten! Erstaunlicherweise teilte mir dann mein Navi mit, dass ich falsch wäre. Ich war zwar anderer Meinung, denn ich wollte ja nach Hochbrück und ich war definitiv in Hochbrück aber ich hatte heute keine Lust auf lange Diskussionen. Ich folgte den Anweisungen und fuhr wieder aus dem Ort raus, um bei der nächsten Möglichkeit links von der Bundesstraße (oder sowas ähnliches) abzubiegen. So, da stand ich nun… vor einem hohen Zaun vor  Bundeswehrschildern, Warnungen, dass scharf geschossen wird und dass der Zutritt nur für Befugte sei. Der erste völlig irrelevante Gedanke der mir in den Sinn kam war, dass ich meinen Bogen im Kofferraum hab. Ich konnte auch scharf schießen, zwar langsam und ich hätte den Bogen erst noch aufbauen müssen, aber…
Mein iPad beharrte, trotz meines Versuchs eine alternative Route zu finden, mich auf das Bundeswehrgelände zu schicken. Ich überlegte kurz, was ich ihm angetan hatte. Immerhin wollte es mich in ein Gebiet mit so schießwütige Menschen schicken, dass man die Menschheit mit einer beachtlichen Zahl an Schildern warnen muss.

Ich fuhr vor dem Zaun auf und ab (nicht nur methaphorisch) und überlegte welche weiteren Schritte ich nun unternehme. Keiner meiner Kontakte ging ans Handy um mir den Weg zu weisen während der Akku unermüdlich den Saft verlor. Da ich ja immer noch der Meinung war, ich will nach Hochbrück, bin ich wieder zurück gefahren und an einer Aral nährte ich mich vorsichtig den Einheimischen und tat das, was ich die nächsten Tage noch öfters machen würde: Ich fragte nach dem Weg. Ein älterer Mann, der schon seit 50 Jahren in der Gegend wohnte sagte mir ich muss wieder aus dem Ort fahren, links abbiegen und nach 1,7 km ist links die Halle und ausgeschildert sei es auch. Ich also wieder raus aus dem Ort, an der Einfahrt vom Bund vorbei und… Naja! 1,7km ist zwar eine genaue Angabe, aber woher soll ich denn jetzt so genau wissen, wann 1,7km rum sind. Mit einem atemberaubenden Manöver zog ich inkl. Vollbremsung, nach vorheriger Prüfung des nicht vorhandenen nachfolgenden Verkehrs über zwei Spuren um die Abbiegespur zu kriegen. Im Grunde folgte ich den Anweisungen eines Schildes das ich aus den Augenwinkeln wahrnahm. Da stand irgendwas von Sportanlage. Unterdessen schrie mich mein Navi an ich solle doch bitte wenden.
Nachdem ich also die Gegenspur gekreuzt hatte stand ich wieder im Nichts. Keine Halle, keine parkenden Autos. Schlagartig wurde mir klar: Auch das hier ist nicht mein Ziel. Verzweifelt versuchte ich wieder auf die Bundesstraße in Richtung meines Zieles zu fahren als wie aus dem Nichts so viele Autos auftauchten, dass ich gezwungen war wieder mal nach Hochbrück rein zu fahren um sicher zu wenden. So schön die von mir so ausführlich unter die Lupe genommenen 100 Meter von Hochbrück auch waren: Ich war froh, als ich die Schießhalle erreichte.

Anmerkung: natürlich wollte ich nur das “Trial and Error”-Prinzip ausprobieren und testen wieviel Saft die Sturheit des Navis verbrauchen würde, wenn es mir permanent erzählt ich wäre falsch.

Du willst heute noch nach München reinfahren? OhOh!

Das Zusehen der Knirpse auf der bayrischen Meisterschaft im Bogenschießen war ganz interessant und ich freute mich, dass ich nicht schießen musste/durfte. Durch die unglaublich guten Lichtverhältnisse wurden zudem meine Augen optimal auf die anstehende “Nachtfahrt” Richtung Hotel vorbereitet.

Nachdem die Sonne schon lange verschwunden war, hupfte ich also mit einem mulmigen Gefühl, das auch die Vorfreude auf gute Mugge nicht wett machen konnte, in meinen kleinen Flitzer. Mahnende, markerschütternde Informationen wurden mir von, so ziemlich jedem, der hörte ich wolle nach München fahren, mitgeteilt. Es war Sicherheitskonferenz! Zuerst begriff ich gar nicht in was für einer prikären Lage ich eventuell steckte und antwortete salopp: Mist ich hab gar kein Schild dabei!
Während ich innerlich kicherte starrten mich verständnisslose Augen an… Anscheinend hat das keiner verstanden oder fand das nicht so lustig. Da kaum gnerks da waren, tippe ich auf Ersteres.

Autofahren für Fortgeschrittene

Bevor ich losfuhr rief ich zur Sicherheit im  Hotel an. Eine nette Dame sagte mir, das es kein Problem sei, wenn man vom Norden aus kommt. Offenbar wusste sie mehr als ich, denn ich wusste nicht wo ich mich befand.

Autofahren… eine Sache in der ich mich selber eigentlich als ganz gut einschätzen würde. Mein Auto hatte zwar schon ein paar Unfälle, aber ich war nur einmal persönlich anwesend. Ein junger Mann wollte vor einiger Zeit das schnelle Fahren auf spiegelglatter Fahrbahn ausprobieren und irgendwie stand ich ihm dabei wohl im Weg. Ich kann also eigentlich ganz gut fahren zumindest solange es hell ist. Wenn es dunkel wird fahr ich immer noch wie eine junge Göttin, aber, sagen wir mal, etwas intuitiver. An jenem besagten Samstag wurde ich eines besseren belehrt. In Erlangen fahren oder mein persönlicher Mount Everest, der Plärrer in Nürnberg, ist Kindergarten! Das Navi führte mich zurück auf “n paar” Autobahnen die irgendwann immer mal wieder 5-Spurig wurden. Irritiert hat mich vor allem, dass ich vor lauter Autoleuchten, die Fahrbahnen nicht mehr sah und auch nicht so richtig wusste ob ich nun links, fast links, mitte, fast rechts oder ganz rechts fahren soll und welche Position die mich umgebenden Autos zum Zeitpunkt x genau hatten. Die Musik war da schon lange aus. Mit zugekniffenen Augen, um das maximale an Dunkelsehfähigkeiten einzusetzen, saß ich bequem in Richtung Windschutzscheibe gebeugt in meinem Semisportsitz und umklammerte mit unmenschlicher Kraft mein Lenkrad. Im Hintergrund säuselte mein Navi irgendwas von Abbiegen, irgendwohin, irgendwann. Egal! Ich war auf irgendeiner Spur und mein Selbsterhaltungstrieb sagte mir: Fahr einfach gerade aus… irgendwo wirst du heute schon noch ankommen.
Tatsächlich fuhr ich an der einen “Ausfahrt” bzw “Auffahrt” auf irgendeinen Ring vorbei. Was allerdings völlig egal ist, offenbar führen viele Wege auf irgendwelche Ringe (oder den Ring) in München. Irgendwann war ich dann irgendwie aus Versehen auf dem richtigen Weg und kam am Hotel an… lebendig… und alle anderen auch! Das Anwohnerparkausweisschild nahm ich zur Kenntnis, um es dann zu ignorieren. Mit dem Gedanken “die armen Fahrschüler” lud ich mein Auto aus und spazierte, wieder beladen wie ein Packesel, in das Hotel Bavaria.

Sesam öffne dich!

Die höfliche Dame am Empfang, ich glaub ja das war die mit der ich vorher schon telefoniert hatte,  gab mir den Zimmerschlüssel und ich quetschte mich samt Ausrüstung in den Aufzug. Ich hasse Aufzüge! Nicht dass ich Angst hätte abzustürzen.. vielmehr ist es das Steckenbleiben in kleinen engen Kisten ohne eine Möglichkeit zu flüchten. Vollgepackt in den 4ten zu latschen hatte ich jetzt aber auch keine Muse mehr also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fuhr hoch.
Als der Aufzug im 4ten Stock ankam und aufging stürmte ich mit einer gehörigen Portion Elan (oder Adrenalin) aus dem Aufzug nichts ahnend, dass ich direkt an meinem Zimmer vorbei schlurfte. Das Zimmer war direkt neben dem Aufzug. Würde ich trinken, wäre das eigentlich perfekt.. vom Aufzug ins Zimmer. Wie Doofy stand ich erstmal vor der Tür, denn diese hatte ein normales Schloss, allerdings war an dem Schlüsselbund kein Schlüssel. Wie Sherlock Holmes kombinierte ich: Kein Schlüssel – kein Tür aufschließen. Meine Theorie war: es musste einen anderen Mechanismus geben. Aus längst vergangener Zeit wusste ich, es gab mal sowas wie Schlüsselkarten. Allerdings erschien mir der Plexiglasanhänger von ca. 10cm x 3cm x 1cm etwas groß um in in den nicht vorhandenen Schlitz zu stecken. Die letzte Möglichkeit war ein kleiner schwarzer Anhänger mit einer kleinen Knopfbatterie. Nach eingehender, erneuten Prüfung der Tür fand ich auch das passende Gegenstück und als sich beides berührte, konnte ich diese auf magische Weise durch das Betätigen der Türklinke öffnen. Jubbilie!

Eine neue Spezies?

Im Zimmer angekommen schmiss ich erstmal alles Gepäck in die Ecke und begutachtete das Zimmer. Alles Sauber, alles hübsch. Durch die ganze bisherige Odyssee hatte ich total vergessen was zu trinken. Das stellt im Hotel Bavaria jedoch gar kein Problem dar, denn da kommt belebtes Wasser aus der Leitung. Zumindest lautet so der Werbespruch von Grander (das ist wohl der Wasserfilterhersteller oder so ähnlich). Ich war also gespannt welche Lebensform mir da wohl aus dem Wasserhahn entgegen fließen würde. Bewaffnet mit der bereitgestellten Karaffe ging ich ins Badezimmer und öffnete vorsichtig den Wasserhahn. Eine Hand hielt ich schützend vor mein Gesicht um dann erstaunt festzustellen: doch nur kaltes, klares Wasser! Vorsichtig und bedacht, eventuell ist mir ja was entgangen, trug ich die Karaffe ins “Schlafzimmer” und schüttete mir ein Glas ein. Was so einfach klingt, war gar nicht so einfach, denn die Öffnung der Gläser war nicht sonderlich groß und die Karaffe war nicht sonderlich präzise, was zu einer kleinen Überschwemmung auf dem Schreibtisch führte. Ja naja, putzen wollte ich eigentlich nicht mehr aber.. manchmal muss das halt. Urplötzlich und ohne Vorwarnung fand ich mich in einer Endlosschleife wieder die aus folgenden Aktionen bestand: Wasser ins Glas füllen und austrinken. Die Abbruchbedingung war eigentlich simpel: Trinke solange bis du keinen Durst mehr hast. Das Problem das entsteht wenn man halb am  Verdursten ist und nur 0,1 Liter Gläser sollte jedem bewusst sein. Ich kam mir nach dem 7ten mal dann doch schon ein wenig blöd vor. Wie ein unzivilisierter Mensch aus der Karaffe trinken, ging mir dann doch einen Schritt zu weit.

Nun mal zu dem beworbenem belebten Wasser. Durch die zwangsweise kleinen “Portionen” konnte ich das Wasser genauer in Augenschein nehmen. Neben der normalen Farbe stelle ich auch in der Konsistenz oder im Mundgefühl keinen Unterschied zu anderem Wasser fest. Geschmacklich ist das allerdings der Champagner unter den Wässerchen! Ok, ich find Champagner jetzt nicht so prickelnd ( Definition ‘prickelnd’: nicht so gut. Champagner prickelt natürlich auf der Haut und erst recht im Bauchnabel, hab aber gehört: dafür reicht auch ‘n Weizen). ABER das ist wirklich abgefahren! Ich wusste gar nicht, das Wasser so schmecken kann bzw nicht schmecken kann. Normalerweise hat das Ganze noch eine gewisse chlorige oder kalkige Nuance und das auch bei gefiltertem Wasser. Aber das.. DAS nenn ich mal Wasser! Sollte ich jemals jemanden finden, der mir ein Haus baut (ich hege nämlich so meine Zweifel, dass ich nach der Erfahrung mit Kefs Hütte, jemals selber eins bauen werde), dann sollte derjenige welcher (optional auch: diejenige welche), das bitte auch anschaffen.

Die Sache mit dem Deutsch

Es war nun “schon” 19:30 Uhr und mir fiel ein, dass ich meine Zahnbürste vergessen hatte. Ausgehungert schlappte ich runter zur Rezeption und fragte nach dem nächsten Supermarkt. Die nette Dame erklärte mir den Weg zum Aldi und ich wagte mich bei eisiger Dunkelheit, ganz alleine, auf die Straßen der bayrischen Hauptstadt. Während ich also wachsam wie ein Luchs an einer roten Ampel stehen blieb hörte ich ein junges Mädchen etwas zu ihrem Freund sagen. Durch meine mittelfränkischen Wurzeln war ich eigentlich der Meinung ich hätte gute Chancen Bayrisch zu verstehen. Ich wurde eines besseren belehrt. Außer etwas, was klang wie: Du willst mich doch verarschen, war es mir unmöglich auch nur einzelne Wörter zu identifizieren. Um sicher zu sein überhaupt im Süden Deutschlands zu sein überprüfte ich das Logo von Aldi und ja, das sah aus wie bei uns in Mittelfranken und auch das Angebot deckte sich. Das Doppelpack Zahnbürsten fand ich dort wo ich sie erwartet hatte: im Laden. Meine ersten Kontakte zu den Einheimischen waren eher neutraler Natur. Im Großen und Ganzen verhalten sie sich nicht anders als wir an einem Samstag um 19.30 Uhr im Aldi. Auch die anzunehmende Sprachbarriere war gar kein Problem. Immerhin redete niemand.

Oh, Menschen!

Aus purer Abenteuerlust beschloss ich die Nahrungssuche woanders anzugehen. Ich dachte ggf könnte ich ein wenig in die Stadt laufen und das ominöse Partyvolk, natürlich mit größter Vorsicht, beobachten. Ich folgte dem Rat von Michael, der mir telefonisch sagte: Geh zum Bahnhof, da gibts Dönerbuden und die Kirche an der Theresienwiese musst du rechts von dir lassen. Ein Problem war, dass ich bis zu dem Zeitpunkt gar nicht wusste wo die Theresienwiese überhaupt ist. Telefonisch erklärte mir Michael genaueres und ich konnte die Wiese, die sich ca. 100m vom Hotel entfernt befindet, als “die Wiesn” identifizieren. Da doppelt Fragen aber eindeutig besser hält und Ferndiagnostik etc. erfahrungsgemäß immer etwas schwierig ist habe ich noch einen Fahrradfahrer gefragt. Da es langsam etwas kalt um den Kopf herum wurde, ging ich den elendig langen Weg zum Hotel zurück und holte meine Mütze. Gut ausgerüstet stiefelte ich also los und zwar genau so weit, wie ich noch wusste, wo ich lang musste. Man ahnt es.. es war nicht wirklich weit. Mutterseelen alleine stand ich also irgendwo an einer Straße und sah mich um. Nach schier unendliche 2 Minuten beschloss ich die Treppe hinter mir hochzugehen. Just in dem Moment tauchten zwei Gestalten auf der Treppe auf und voller Freude sagte ich etwas lauter (naja oder schrie): Oh, ein Mensch!
Eigentlich war das nicht korrekt und auch gar nicht meine Art. Immerhin waren es zwei, genauer ein Pärchen. Besser wäre wohl gewesen: Oh, Menschen! Oder ganz genau: Oh, zwei Menschen! Der Mann sah mich etwas verdutzt an und entgegnete mir etwas zögernd mit rauem Unterton: Ja, Menschen! Ich erklärte meine Situation und etwas entspannter erklärten sie mir dann wie ich mein Ziel erreichen konnte. Ich ging also, zumindest die ersten paar hundert Meter in die Richtung die sie mir gesagt hatten und überlegte, ob die Bezeichnung Mensch eigentlich in der heutigen Zeit schon negativ aufgefasst werden kann. Kam mir ehrlich gesagt irgendwie so vor.

Dönersuche – Meine neue Sportart?

Nun! Ich war also auf einer Straße und ging den Lichtern entgegen von denen ich dachte es wäre die Innenstadt. Während ich unbeirrt weiter wanderte zog ein Hotel nach dem anderen an mir vorbei. Irgendwann ignorierte ich die Schilder und suchte gezielt nach bekannten Mustern. Tafeln die wie ein Dönerspieß aussehen oder Züge, welche normalerweise ein Indiz für einen Bahnhof sind o.ä. bekannte Symbole oder Hinweise.

An einem Parkscheinautomat nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte einen Mann nach dem Weg zum Bahnhof. So richtig kannte er sich wohl nicht aus, meinte aber da vorne gibts Essen. In schnellen Schritten, weil Hunger und Kalt, ging ich also die “Hotelstraße” weiter. Zwischen den Hotels fanden sich jetzt allerdings auch Spielhallen und Wettbüros, aber immer noch keine Züge oder Döner oder Pizza o.ä. Als ich dann quer gegenüber vom Beate Uhse Shop stand und die Straße dazu so ähnlich wie der Frauentorgraben aussah, dachte ich mir: Och nö, da geh ich das nächste mal hin und schaus mir an.
Ich drehte um und lief den Weg zurück bis zu einer Kreuzung an der ich die Rückseite eines Pfeiles sah. Wagemutig stellte ich mich an die Ecke des Bürgersteigs und beugte mich ein Stück über die Fahrbahn. Der abbiegende Autofahrer verstand das wohl als ein Signal, dass ich über die Straße möchte und blieb stehen. Mit einer lässigen hektischen Handbewegung winkte ich ihn weiter und las in großen Buchstaben: Hauptbahnhof. Ich war schon ein wenig stolz auf mich, immerhin hatte ich den Weg ganz alleine und ohne Navigation gefunden, als es mir ein wenig mulmig wurde. Die Straße zog sich schier endlos hin und kaum ein Mensch war zu sehen.

Bei der nächsten Gelegenheit, etwas lockerer als bei den anderen Passanten, fragte ich einen adrett aussehenden Mann, wo man hier was zu Essen auftreiben könne. Überwältigt von seiner gelangweilten netten Art lauschte ich den Worten: Gerade aus in die andere Richtung, da gibt es Imbissbuden. Trotz der gesicherten Information von Michael, dass der Hauptbahnhof der “Ort to be” sei beschloss ich umzudrehen. Immerhin wäre es unhöflich gewesen den Rat des Mannes zu ignorieren und weiter neben ihm her zu laufen. Ich bin mir bis heute unsicher, ob er mich nicht absichtlich in die andere Richtung geschickt hatte, um mich los zu werden.

Zu meinem großen Glück entdeckte ich ein paar Meter hinter der Kreuzung, die ich heute schon zum Dritten mal passierte, einen schnucklichen kleinen arabischen Laden. Und darin gab es Döner! Ich orderte einen Döner ohne Zwiebeln und ein bissl scharf zum Mitnehmen. Der lächelnde Verkäufer fragte mich, ob ich eine Plastiktüte möchte. Im Rahmen des Naturschutzes verneinte ich und fragte ihn nach dem Gericht, das auf der Karte unterhalb des Döners stand. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist es wie ein Döner nur in einen Brotfladen gewickelt aber kein Dürüm. Mit Fragezeichen über dem Kopf verließ ich das Geschäft und ging in Richtung des Hotels.

Das leuchtende rote Männchen

Auf meiner langen Reise musste ich schon viele Ampeln überqueren. Um ein gutes Vorbild der nicht sichtbaren Kinder zu sein, blieb ich natürlich an jeder roten Ampel stehen und wartete. Für dieses Verhalten erntete ich schon einige skeptische Blicke. Anscheinend erkannte man daran sofort, dass ich keine Einheimische war.

Als ich an der letzten großen Kreuzung vor meiner Lebensabschnittsunterkunft (Determinativkompositum!) auf das grüne Männlein wartete zog ein Mann forschen Schrittes an mir vorbei und verharrte auf der Fußgängerinsel. Schwungvoll wechselte die Ampel das Signal und ich folgte ihm. Da standen wir nun.. beide auf einer kleinen Insel und alles was uns aufhielt war ein kleines rotes Lichtlein, dass uns mit aller Kraft mitteilte: Bleibt gefälligst stehen! Ich grinste zu dem Mann rüber, der mich nervös ansah. Meine Spinnersensoren schlugen Alarm, denn irgendetwas schien den Mann auf die freie Fahrbahn drängen zu wollen. Kichernd fragte ich ihn, ob er gehen möchte. Heiser und kraftlos antwortete er “Ja”. Da ich ein Menschenfreund bin und ungern Leute leiden sehe betrat ich vorsichtig die Fahrbahn. Die Ampel schien mir von Sekunde zu Sekunde roter (röter? Die Steigerung des absoluten Zustandes rot..) zu werden, aber ich schob die Gedanken möglicher Konsequenzen beiseite und lief, als hätte ich den Döner schon verspeist, los. Dankbar gab mein Begleiter der unsichtbaren Kraft nach, die ihn über die Straße zog. Mit einem lauten “Schönen Abend noch” verabschiedete ich mich und führte meinen Weg vergnügt fort.

Lila und Schwarz – Nachts ist alles Grau

Noch auf dem Fußgängerweg griff ich enthusiastisch in meine Handtasche und war etwas verwundert als ich etwas warmes, flüssiges auf der Haut spürte. Erschrocken riss ich die Tasche auf und zog den in Alufolie eingewickelten, triefenden Döner heraus. Wie ein Profi wickelte ich mein Allerheiligstes in Servietten, die mir der Mann im Dönerladen mit gab,  ein und stopfte es wieder in die Tasche. Es war ohnehin zu spät um meine Tasche vor einer Säuberung zu retten. Hätte ich mal eine Plastiktüte gehabt.

Im Zimmer 48 angekommen setzte ich mich an den Schreibtisch und genoß den Döner. Geschmacklich war er hervorragend, der lange Umweg hatte sich absolut gelohnt. Putenfleisch, eine Sauce mit Curry. Perfekt!

Nach der Stärkung beschloss ich meine Jacke zu reparieren, denn mir fiel auf, dass ich wohl bei meinem letzten Nagelbettstudiobesuch irgendwo hängen geblieben sein musste und meine Jacke eine nicht gerade geringe Anzahl an Löchern aufwies. Glücklicherweise war ich nicht daheim und konnte das bereitgelegte Nähset sofort finden. Unerschrocken entschied ich mich für einen schwarzen Faden. Zwar war die Jacke Lila, aber man sieht mich eh selten am helligen Tage in freier Wildbahn.

Tick Tack

Ich war zufrieden. Der  Hunger war gestillt, der Durst gelöscht und ich war für Schlummerland bereit um von der Herrschaft über Gnerkland zu träumen. Ich konnte förmlich hören wie die Zeit verstrich während ich immer noch wach im Bett lag. Lösungsorientiert, wie ich bin, rang ich mich dazu durch das Licht wieder anzuschalten und dem im Nachtkästchen eingebautem Radio den Stecker zu ziehen. Der gewissenhafte Hersteller dieser Radio/Uhr Kombination legte anscheinend viel Wert darauf, dass die Menschen auch ohne Strom noch wissen wieviel Uhr es ist. Unbeeindruckt verrichtete der Sekundenzeiger weiterhin seine so wichtige Aufgabe.

In meinem schönsten Hoodie, grau mit einem dümmlich dreinschauendem Eichhörnchen das einen Ball hält, machte ich mich auf zur Rezeption um nach einer alternativen Möglichkeit zu fragen die Uhr auszustellen. Die arme Frau an der Rezeption, es war immerhin schon nach Mitternacht, bügelte gerade und meinte ich solle den Stecker ziehen. Um sicher zu gehen, dass ich keine zweite Stromquelle übersehen hatte oder Reststrom die Uhr noch am Leben hält überprüfte ich in meinem Zimmer nochmals den aktuellen Status. Dieser war jedoch unverändert. Erneut unten angekommen bot mir die nette Dame ein anderes Zimmer an, was ich dankend ablehnte. Als ich nach den Ankunft nämlich meinen Koffer öffnete explodierte er und alle Klamotten, Ladekabel, Schuhe etc. flogen durchs Zimmer. Ich bin froh, dass ich dieses Szenario unbeschadet überlebt hatte und wollte dasselbe nicht zweimal innerhalb kürzester Zeit durchmachen.

Auch hier kamen mir wieder meine mathematisch-technischen Fähigkeiten zu Gute und ich fragte nach einem Schraubenzieher. Irgendwie werd ich das Ding schon aus bekommen, wenn ichs aufgeschraubt habe. Verdutzt sah mich die Rezeptionistin an bis ich ihr entgegnete: Ich bin Technikerin! Dinge die ich auseinander baue, kriege ich auch wieder zusammen. So ganz richtig war die Aussage zwar nicht, denn ich bin eine reine Programmiererin.. ich weiß noch nicht mal, wie man einen Rechner zusammenbaut. In der Regel jammere ich ein wenig wenn es Hardwareprobleme gibt und irgendeiner, der genug davon hat, erbarmt sich dann. An der Stelle: Tschuldigung fürs Flunkern.

Ausgestattet wie ein Profi entfernte ich die zwei Schrauben, welche die Radioblende an das Nachtkästchen fixierte. Nach einem wohl dosiertem Ruck hielt ich diese in der Hand und sah mir die Rückseite an. Sofort erkannte ich, dass der Kreuzschraubenzieher zu groß war. Ich entschied mich dagegen, das ganze Ding auseinander zu bauen und legte es in den Kleiderschrank. Immer noch konnte ich die Uhr wahrnehmen und überlegte, was ein geeigneter Platz für den Störenfried sei. Ich liebäugelte mit dem Fenster, vermutete aber dass das große, klaffende Loch im Nachttisch die Eigentümer des Hauses nicht ganz so glücklich machen würde. Das schöne an dem Zimmer war, dass es einen Flur mit einer Tür hatte. Eine Sache, die ich an Hotelzimmern nun zu schätzen weiß. Die Blende landete also neben der Eingangstür im Flur und konnte dort erquickt weiter ticken.

Nach einem langen Tag konnte ich nun auch geruhsam schlafen.

Hier gehts zum zweiten Teil: München – Unendliche Weiten II

3 replies on “München – Unendliche Weiten”

  1. Icho says:

    lustig.
    ohrstöpsel schützen vor technikaufgaben …

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